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Herz über Kopf für Pferde
Egal, ob Kreismeisterschaften oder Dressur- und Springcup Wesermünde – Carlotta Kopitzki aus Flögeln ist in diesen Prüfungen seit einigen Jahren eine der prägenden Reiterinnen der Region. Und nun mischt die 17-Jährige auch bei der Premiere des Nürnberger Burg-Pokals für norddeutsche Junioren mit. Auch hier äußerst erfolgreich – natürlich.
Bereits nach den ersten drei Qualifikationen ist sie punktetechnisch mit gleich zwei Pferden qualifiziert. Starten darf sie im Finale bei den Elmloher Reitertagen vom 31. Juli bis 3. August aber nur mit einem.
Die Pferde wurden selbst ausgebildet
Carisma oder Doc’s Delight? Wer bekommt den Vorzug? Eine schwere Entscheidung für die Schülerin der Geschwister-Scholl-Schule, denn beide Pferde sind echte Familienmitglieder. Sie wurden von Mutter Anja selbst ausgebildet und bereits mit drei Jahren gekauft.
Denn auch Anja und Thomas Kopitzki kommen aus dem Reitsport. „Meine Eltern hatten früher einen Hof in Elmlohe, hatten Pferde und sind selbst geritten. Vielseitigkeit und auch Turniere. Ich bin also damit aufgewachsen und saß eigentlich schon auf dem Pferd, bevor ich so richtig laufen konnte“, berichtet Carlotta Kopitzki.
Der Hof wurde jedoch verkauft, als Anja Kopitzki schwanger war und die Familie gegründet wurde. Mit Tochter Carlotta lebte und lebt diese Leidenschaft nun wieder auf. „Wir haben spaßeshalber dann mal mit Führzügel-Wettbewerben angefangen – da war sie gerade mal vier Jahre alt. Und da war sie immer schon erfolgreich“, berichtet Anja Kopitzki. „Dann ging es weiter mit Springreiterwettbewerben. Wir haben es ganz langsam angehen lassen.“
Carisma ist das erste eigene Pferd
Ohne Druck, „einfach, um Spaß zu haben. Ich hatte einfach auch immer das richtige Pony“, sagt Carlotta. Da ging es dann auch mit den anderen Kindern ohne Sattel ins Gelände – über Stock und über Stein.
Am Anfang gar nicht mit einem eigenen Pferd, sondern über Reitbeteiligungen – bis dann das erste Pferd kam: Carisma. Damals war der Wallach erst drei Jahre alt, Carlotta gerade einmal acht. Mutter Anja ist ihn anfangs geritten, Carlotta saß zwischendurch mit drauf – und ist quasi mitgewachsen.
Heute ist er ihr Partner in Crime. Genannt Carlchen. Der König im Stall und bis heute der beste Freund der Nachwuchsreiterin, der „Augenstern“ der Familie.
Ihre zwei älteren Geschwister, Bruder Nicolas und Schwester Jolina, sind auch geritten, haben den Reitsport aber mittlerweile an den Nagel gehängt.
Das Talent vererbt bekommen
„Gas, Bremse, Lenkung – das kann die ganze Familie. Nicolas ist nunmehr in der Landwirtschaft unterwegs und Jolina ist im Moment in Australien“, berichtet Anja Kopitzki.
Carlotta jedoch ist Feuer und Flamme für die Pferde, wie einst und noch immer die Eltern. Und hat das Talent vererbt bekommen. Denn auch in den ersten E-Dressuren war die 17-Jährige einst direkt erfolgreich.
„Es hat sich einfach immer weiter gesteigert. Und dann kam mit Carisma nicht nur das Springen dazu, sondern auch ganz schnell die Vielseitigkeit. 2018 bin ich die erste Sichtung für die Goldene Schärpe geritten, 2021 dann die erste geritten und 2022 habe ich dann sogar gewonnen“, berichtet Carlotta stolz.
Die Goldene Schärpe Pferde wird seit 2003 als Pendant zur Goldenen Schärpe Ponys ausgerichtet, für Ponys bereits seit 1972. Ein vielseitiger Wettbewerb mit Dressurprüfung, Stilspringprüfung und Stilgeländeritt, jeweils auf E-Niveau, sowie Theorie und Vormustern. Dafür erhalten die Teilnehmer Wertnoten zwischen eins und zehn. Es gibt sowohl eine Team- als auch eine Einzelwertung. Teilnehmen dürfen Reiter, die im laufenden Kalenderjahr höchstens 16 Jahre alt werden.
„Meine Schwester wollte dann auch ein Pferd haben“, berichtet Carlotta weiter. So fand die heute zehnjährige Stute Doc’s Delight den Weg in die Familie Kopitzki – genannt Daisy. Doch Jolina verlor schnell den Spaß und so bekam die Jüngere auch dieses Pferd unter den Sattel. Denn in der Familie geht alles ohne Druck. Nichts muss, alles kann.
Und das neue Duo ist ebenfalls direkt erfolgreich – bis hin zur Kreismeisterschaft. Das Talent ist also vorhanden. Auf eine Disziplin festlegen will sich die junge Reiterin aber nicht.
„Ich könnte mich nicht für eine Sache entscheiden, auch wenn alles zusammen natürlich aufwendiger ist. Ich glaube auch, dass ich dann jetzt nicht so weit wäre“, so Carlotta. „Ich mache auch nicht gerne jeden Tag dasselbe. Das ist bei den Pferden nicht anders“, so die 17-Jährige, die im Februar vom RV Flögeln in ihrem Heimatdorf mit ihren Pferden auf den Agrarhof Schween in Geestland gezogen ist.
Ein Paradies für Pferde, das neu entstanden ist – mitten im Grünen mit vielen Möglichkeiten. Führanlage, Longierzirkel, Paddocks, Paddockboxen und Offenställe – alles ist vorhanden. Die Stallungen sind zudem luftig und breit gebaut und die Pferde haben 24 Stunden Zugang zum Heu. Entsprechend entspannt sind die Tiere.
Zweimal die Woche Training in Elmlohe
Eine Halle entsteht gerade. „Aber auch im Februar konnte man gut draußen reiten, selbst wenn es mal gefroren hat. Und sonst fahren wir in die Halle nach Elmlohe“, berichtet Carlotta Kopitzki, die auch Mitglied im RV Elmlohe-Marschkamp ist.
Zweimal die Woche ist sie dort ohnehin. Seit ihrem zehnten Lebensjahr trainiert das Talent einmal pro Woche mit Dressurausbilder Malte Kalus und bekommt Springunterricht bei Alke Hillebrandt vom Hof Marschalk-Pecksen.
„Ich besitze zwar auch den B-Trainerschein, wollte aber früh die Hauptverantwortung abgeben, weil ich nie den Konflikt auf dem Platz haben wollte“, erklärt Anja Kopitzki. „Ich helfe und unterstütze, wo ich kann, und bin immer dabei.“
So wie bei den Reitstunden beim Hofbesuch der NORDSEE-ZEITUNG. „Sie kennt mich – ohne sie würde es nicht funktionieren“, sagt daher auch die 17-jährige Tochter.
Zwei Pferde reitet sie meist pro Tag, aber immer mit Abwechslung. Eines wird in der Dressur gearbeitet, das andere bekommt Springgymnastik und umgekehrt. Dazu geht es immer mal wieder ins Gelände.
Die Schule kommt nicht zu kurz
„Es soll Spaß machen, es ist ihre Freizeit und sie soll abends auch nicht völlig erschöpft ins Bett fallen“, so Anja Kopitzki. Auch wenn immer wieder mal Fahrten für die Vielseitigkeit nach Lamstedt, Luhmühlen oder Olssen und rund um Hannover anstehen. Dazu kommen Lehrgänge und Turniere.
Die Schule kommt trotzdem nicht zu kurz, wie ein Schnitt von 1,6 belegt. In zwei Jahren steht dann das Abitur an. Um selbstständig Fahrten wie zur Schule nach Bremerhaven und zum Stall in Alfstedt zurücklegen zu können, hat die Schülerin ein 45-km/h-Auto.
„Ohne die Unterstützung meiner Eltern im Stall würde es aber nicht funktionieren“, so Carlotta, deren Leistungskurse Biologie und Geografie sind. „Und bei den Pferden bekomme ich auch den Kopf frei. Das hilft.“
Was nach der Schule kommt, steht noch in den Sternen. „Reiten steht natürlich im Fokus. Weiter Spaß mit Pferden zu haben, das ist einfach mein Hobby und meine Leidenschaft“, so die 17-Jährige.
Vor allem aber die Liebe zu den Pferden. Daher kommt es auch nicht infrage, eines zu verkaufen, um eines mit mehr Potenzial zu kaufen und höher angreifen zu können. Das Herz überwiegt den Ehrgeiz, auch wenn die Möglichkeiten mit Carlchen und Daisy limitiert und fast ausgeschöpft sind, „schließlich sind es Familienmitglieder“.
Nürnberger Burg-Pokal steht im Fokus
Aktuell hat sie auch den achtjährigen Halbbruder, First Choice, genannt Charly, zum Beritt im Stall stehen und der Plan ist, auch ihn in Elmlohe vorzustellen. Doch was sind dann ihre sportlichen Ziele?
„Die aktuelle Saison ist schon vom Burg-Pokal geprägt, den ich hoffentlich mit einer guten Platzierung beenden kann. Dazu wieder die Kreismeisterschaft in Dressur und Springen“, so Carlotta. Eine Kampfansage an die Konkurrenz.
Doch damit nicht genug. „Ich möchte mich auch gerne in der Vielseitigkeit für die deutsche Meisterschaft im nächsten Jahr qualifizieren.“ Für das Talent ist der Weg das Ziel – mit ihren Herzenspferden.